Usenet – Die älteste Kommunikationsplattform des Internets

Usenet – Die älteste Kommunikationsplattform des Internets

Wenn du noch nie etwas vom Usenet gehört hast, dann bist du sehr wahrscheinlich nicht allein. Die älteste Kommunikationsplattform des Internets gilt nämlich immer noch als Geheimtipp. Dabei wurde das Usenet lange vor dem World Wide Web mit seinen Blogs, Online-Foren und sozialen Netzwerken veröffentlicht. Leider konnte es sich aber nie wirklich durchsetzen und entwickelte sich mehr im Hintergrund, zu dem, was es heute ist.

Das Usenet ist heute eine Kreuzung aus Reddit und BitTorrent, aber es steckt noch mehr dahinter. Wenn du gerne online chatten, Foren zu fast alle Themen lesen und digitale Mediendateien herunterladen möchtest, dann ist das Usenet genau das Richtige für dich. Und das Beste, eine hohe Zuverlässigkeit und superschnelle Downloads sind inklusive.

In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf das Usenet und wie es funktioniert.

Die Geschichte des Usenet

Das Usenet (Unix User Network) wurde von Steve Bellovin, Tom Truscott und Jim Ellis im Jahre 1979 konzipiert. 1980 wurde es dann an den Universitäten von North Carolina und der Duke Universität öffentlich zugänglich. Es ist mehr als ein Jahrzehnt vor dem World Wide Web entstanden und somit eines der ältesten Kommunikationsplattformen des Internets.

Die ursprüngliche Idee war es, eine kostenlose Alternative zum ARPANET zu schaffen. Der Datenaustausch erfolgte anfangs über normale Telefonleitungen unter der Verwendung des Unix-Protokolls UUCP (Unix to Unix Copy).

Bald schlossen sich weitere Computer dem Netz an. Das verwendete Protokoll war zwar auf Unix-Computer beschränkt, ermöglichte aber den Austausch privater Nachrichten (E-Mails) und die Teilnahme an öffentlichen Foren.

Obwohl das Usenet weniger bekannt ist als das World Wide Web, hat es sich seit der Einführung stetig weiterentwickelt. Eine der wichtigsten Änderungen im Laufe der Jahre, war die Einführung von NNTP (Network News Transfer Protocol). Dieses Protokoll ist wesentlich effizienter als UUCP und wird auch heute noch verwendet.

Was ist das Usenet?

Das Usenet ist eine Kommunikationsplattform und dient vielen Usern heute auch als Medium zum sicheren Austausch von Dateien. Es ist mit jedem anderen Forum im Internet vergleichbar und in verschiedene Themenbereiche unterteilt. Diese Themenbereiche werden „Newsgroups“ genannt. Das Usenet wird auf einem weltweiten Netz von Servern, den Newsservern, gehostet.

Für einen besseren Überblick über die verfügbaren Newsgroups, wurden diese hierarchisch in sieben Hauptthemen gegliedert. Diese und eine achte Hierarchie, die 1995 eingeführt wurde, sind als die „Großen Acht“ bekannt.

  • comp = Computerthemen
  • humanities = Kultur, Kunst und Geisteswissenschaften
  • misc = diverse Themen
  • news = Diskussionen über das Usenet
  • rec = Erholung und Freizeit, aber auch Kunst und Kultur
  • sci = Wissenschaft und Technik
  • soc = soziale Themen
  • talk = allgemeiner Chat

Es gibt etwa 200.000 Newsgroups mit Millionen von Beiträgen und anderen Inhalten. Wenn darunter nicht die passende Gruppe für dich sein sollte, kannst du auch deine eigene Gruppe gründen.

Neben dem Austausch von Informationen ist das Usenet aber auch eine Plattform, auf der Millionen von Dateien (sogenannte Binärdateien) ausgetauscht werden.

Lesetipp: Mit Usenext schnell und einfach auf das Usenet zugreifen

Wie funktioniert das Netzwerk?

Die Funktionsweise des Usenet wird oft mit einem Schwarzen Brett verglichen. Jemand schreibt eine Nachricht und hängt sie an die Pinnwand. Dort kann sie jeder sehen und finden. Dieser Vergleich spiegelt jedoch nur einen Teil der Kommunikation wider. Die Kommunikation über Message Boards verläuft nämlich in der Regel einseitig. Somit ist es im Usenet durchaus üblich, auf eine Nachricht mit einer anderen Nachricht im selben Medium zu antworten.

Ein Vergleich mit dem Zeitungswesen würde wie folgt aussehen:

  • Jemand schreibt einen Artikel (News oder Feature) für eine Zeitung (Newsgroup).
  • Ein Leser nutzt diesen Artikel als Referenz und schreibt einen Leserbrief (Fortsetzung), der an die Zeitung geschickt wird.
  • Dank der Veröffentlichung wird dieser Brief zu einem Artikel und kann von anderen Lesern nachgelesen werden.

Im Gegensatz zu einer Zeitung, gibt es beim Usenet aber keinen Redaktionsausschuss, der eine Vorauswahl trifft und Artikel und Leserbriefe veröffentlicht. Einige Newsgroups werden jedoch moderiert und bilden eine der wenigen Ausnahmen. Die Moderatoren werden hier aber in der Regel demokratisch gewählt und unterliegen einer Mehrheitsentscheidung.

Die Anzahl der Teilnehmer an den Diskussionen und seine Geschwindigkeit sind die wichtigsten Vorteile des Usenet. Riesige Diskussionsbäume (sogenannte Threads) zu aktuellen Themen können innerhalb weniger Stunden entstehen. Dank mehrerer Backups auf Tausenden von Newsservern in verschiedenen Ländern ist das Usenet immun gegen Zensur.

Wie kannst du das Usenet nutzen?

Der Zugriff auf Usenet und Newsgroups erfolgt über ein auf deinem Computer installierten Programm, einen sogenannten Newsreader. Ein begrenzter Zugang ist auch per E-Mail (Mail-to-News-Gateway) oder über eine entsprechende Website (Web-to-News-Gateway) möglich.

Bei Newsreadern musst du in der Regel zunächst die Adresse des genutzten Newsservers hinterlegen. Die Software ist dann in der Lage, alle dort verfügbaren Newsgroups aufzulisten. Wählst du eine bestimmte Newsgruppe aus, wird eine Liste der Nachrichten angezeigt, die entweder chronologisch oder nach Thema (Thread) geordnet sind. Hier kannst du die Nachrichten die dich interessieren auswählen, lesen und eventuell beantworten. Natürlich kannst du auch eine Nachricht zu einem völlig neuen Thema erstellen.

Lesetipp: Thunderbird als Newsreader für das Usenet verwenden

Zusammenfassung

Das Usenet konnte schon lange vor dem World Wide Web eine größere Anhängerschaft um sich scharen und ist immer noch eine der besten Möglichkeiten zum Austausch von Dateien. Doch auch wenn sich der Zugriff und das Auffinden der richtigen Informationen etwas schwieriger gestaltet, unterm Strich lohnt sich die Mühe. Das Usenet hat nämlich eine Menge zu bieten.